Was ist eine Spule?

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Eine Spule ist ein passives elektrisches Bauelement, das aus einem oder mehreren Windungen eines elektrischen Leiters besteht. Fließt ein Strom durch die Spule, entsteht um den Leiter ein magnetisches Feld. In diesem Feld wird Energie gespeichert.

Die charakteristische Größe einer Spule ist die Induktivität \( L \) , gemessen in Henry (H). Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Strom und magnetischem Fluss und bestimmt, wie stark sich eine Spule Änderungen des Stroms widersetzt.

Aufbau einer Spule
\( u_L = L \cdot \frac{\mathrm{d}i}{\mathrm{d}t} \)

\( u_L \) = induzierte Spannung in Volt  |  \( L \) = Induktivität in Henry  |  \( \dfrac{\mathrm{d}i}{\mathrm{d}t} \) = Stromänderungsrate in A/s

Zusammen mit dem Widerstand und dem Kondensator bildet die Spule die drei grundlegenden passiven Bauelemente der Elektrotechnik. Während der Widerstand Energie in Wärme umwandelt und der Kondensator Energie im elektrischen Feld speichert, speichert die Spule Energie im magnetischen Feld und gibt sie wieder ab, wenn der Strom abnimmt.

Eine Besonderheit der Spule ist die sogenannte Selbstinduktion: Ändert sich der Strom, entsteht eine Spannung, die dieser Änderung entgegenwirkt. Dadurch reagiert die Spule träge auf Stromänderungen.

In der Praxis begegnet man Spulen unter verschiedenen Bezeichnungen: Induktivität, Drossel, Transformatorwicklung, Relaisspule oder Choke. Allen gemein ist das Grundprinzip der Induktivität.

Aufbau und Bauformen

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Eine Spule besteht im Wesentlichen aus einem Wicklungsleiter (meist lackisolierter Kupferdraht) und kann zusätzlich einen Kern besitzen, um den der Draht gewickelt ist. Der Kern beeinflusst die erreichbare Induktivität erheblich.

Luftkern Kein magnetisches Kernmaterial. Dadurch ergibt sich eine vergleichsweise geringe Induktivität, jedoch ohne Sättigungseffekte und ohne Kernverluste (keine Hysterese- oder Wirbelstromverluste im Material). Der Draht ist auf einen nicht-magnetischen Träger gewickelt oder freitragend. Typisch in HF-Schaltungen.
Ferritkern Magnetisches Keramikmaterial (Ferrit) mit hoher Permeabilität (das Material verstärkt das Magnetfeld und erhöht dadurch die Induktivität). Hohe Induktivität bei kleiner Baugröße. Eingesetzt in Schaltnetzteilen, Filtern und HF-Übertragern.
Eisenpulverkern Gepresste, elektrisch isolierte Eisenpartikel. Gute Eigenschaften bei Gleichstromüberlagerung und weiches Sättigungsverhalten (die Induktivität nimmt bei steigendem Strom nur allmählich ab). Typisch in DC-DC-Wandlern und Leistungsdrosseln.
Blechkern (E-I, EI, UI) Gestapelte, isolierte Siliziumstahlbleche für Netzfrequenz (50/60 Hz). Reduzieren Wirbelstromverluste (im Material induzierte Ströme, die Wärme verursachen) und werden in Transformatoren und Relais eingesetzt.
Kern A B N Windungen
Schematischer Aufbau einer Spule mit \( N \) Windungen auf einem Kern

Wichtige Bauformen

Bedrahtete Spule (axial / radial)

Klassische Bauform mit Drahtanschlüssen für Steckbrett und Durchsteckmontage (THT). Induktivitäten typisch von wenigen µH bis einigen mH.

SMD-Drossel

Oberflächenmontierte Spule für automatisierte Leiterplattenbestückung. Sehr kompakt, in Schaltnetzteilen und DC-DC-Wandlern unverzichtbar.

Toroidspule (Ringkernspule)

Wicklung auf einem Ringkern. Das magnetische Feld bleibt nahezu vollständig im Kern eingeschlossen, geringe Abstrahlung und hohe Effizienz.

Magnetisches Feld

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Jeder stromdurchflossene Leiter ist von einem magnetischen Feld umgeben. Dies folgt aus dem Ampèreschen Gesetz (Durchflutungsgesetz). Wird der Leiter zu einer Spule gewickelt, überlagern sich die Magnetfelder der einzelnen Windungen konstruktiv. Im Inneren einer langen Spule entsteht ein starkes, näherungsweise homogenes Magnetfeld, vergleichbar mit dem eines Stabmagneten.

Die magnetische Feldstärke \( H \) im Inneren einer langen Spule (Solenoid) berechnet sich zu:

\( H = \frac{N \cdot I}{l} \)

\( N \) = Windungszahl  |  \( I \) = Strom in Ampere  |  \( l \) = Länge der Spule in Meter

Die magnetische Flussdichte \( B \) im Kern hängt zusätzlich von der Permeabilität des Kernmaterials ab:

\( B = \mu_0 \cdot \mu_r \cdot H \)

\( \mu_0 = 4\pi \cdot 10^{-7}\,\text{H/m} \) = magnetische Feldkonstante  |  \( \mu_r \) = relative Permeabilität des Kernmaterials (Luft: 1  |  Ferrit: 100 … 10.000  |  Elektroblech: 1.000 … 5.000)

Ein hoher \( \mu_r \)-Wert des Kerns führt bei gleicher Geometrie zu einer deutlich höheren Induktivität, weshalb Kernspulen wesentlich kompakter gebaut werden können als Luftspulen mit gleicher Induktivität.

Induktivität

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Die Induktivität \( L \) ist die charakteristische Kenngröße einer Spule. Sie gibt an, welche magnetische Flussverkettung pro Strom durch die Spule entsteht. Die Einheit der Induktivität ist das Henry (H):

\( 1\,\text{H} = 1\,\frac{\text{Vs}}{\text{A}} = 1\,\Omega\text{s} \)

In der Praxis werden häufig kleinere Einheiten verwendet: Millihenry (mH) und Mikrohenry (µH). Typische Wertebereiche in der Elektronik:

  • HF-Spulen: wenige nH … einige µH
  • Schaltregler-Drosseln: 1 µH … 1 mH
  • Netzfilter-Drosseln: 1 mH … 100 mH
  • Netztransformatoren: einige H

Für eine zylindrische Spule (Solenoid) mit Kern lässt sich die Induktivität näherungsweise berechnen:

\( L = \mu_0 \cdot \mu_r \cdot \frac{N^2 \cdot A}{l} \)

\( N \) = Windungszahl  |  \( A \) = Querschnittsfläche des Kerns in m²  |  \( l \) = Länge der Spule in m  |  \( \mu_r \) = relative Permeabilität des Kernmaterials

Die Induktivität wächst mit dem Quadrat der Windungszahl. Eine Verdopplung der Windungen vervierfacht die Induktivität. Auch ein größerer Kernquerschnitt und eine kürzere Baulänge erhöhen die Induktivität.

Selbstinduktion

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Das wichtigste dynamische Verhalten der Spule ist die Selbstinduktion: Ändert sich der Strom durch die Spule, ändert sich das magnetische Feld. Nach dem Faradayschen Induktionsgesetz wird dadurch eine Spannung induziert, die der Stromänderung entgegenwirkt (Lenzsche Regel).

Die induzierte Spannung berechnet sich zu:

\( u_L = L \cdot \frac{\mathrm{d}i}{\mathrm{d}t} \)

\( u_L \) = induzierte Spannung in Volt  |  \( L \) = Induktivität in Henry  |  \( \dfrac{\mathrm{d}i}{\mathrm{d}t} \) = Stromänderungsrate in A/s

Diese Formel hat wichtige praktische Konsequenzen:

  • Der Strom durch eine Spule kann nicht sprunghaft wechseln. Jede schnelle Stromänderung würde theoretisch eine unendlich hohe Spannung erfordern. Die Spule wirkt daher wie ein Trägheitselement für den Strom.
  • Beim plötzlichen Unterbrechen des Stromkreises (z. B. beim Schalten) kann die Induktionsspannung sehr hohe Werte annehmen. Sie ist für Spannungsspitzen verantwortlich, die Bauelemente beschädigen können. Freilaufdioden begrenzen diese Spannungsspitzen und ermöglichen einen kontrollierten Stromabbau.
\( t \) \( i \) \( I_\infty \) \( \tau \) 63 % 0
Stromverlauf beim Einschalten einer Spule: exponentieller Anstieg mit der Zeitkonstante \( \tau = L/R \)

Energiespeicherung

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Eine stromdurchflossene Spule speichert Energie im magnetischen Feld. Die gespeicherte Energie \( W \) berechnet sich zu:

\( W = \frac{1}{2} \cdot L \cdot I^2 \)

\( W \) = gespeicherte Energie in Joule  |  \( L \) = Induktivität in Henry  |  \( I \) = Strom in Ampere

Diese Formel zeigt eine direkte Analogie zum Kondensator, der Energie im elektrischen Feld speichert:

Eigenschaft Spule Kondensator
Gespeicherte Energie \( W = \frac{1}{2} L I^2 \) \( W = \frac{1}{2} C U^2 \)
Energiespeicher Magnetisches Feld Elektrisches Feld
Zustandsgröße Strom \( I \) (nicht springend) Spannung \( U \) (nicht springend)
Impedanz \( Z_L = j\omega L \) \( Z_C = \frac{1}{j\omega C} \)
Gleichstrom Kurzschluss (nur \( R_{DC} \)) Unterbrechung
Hochfrequenz Hoher Blindwiderstand Niedriger Blindwiderstand

Die Energiespeicherung in der Spule wird in Schaltnetzteilen und DC-DC-Wandlern aktiv genutzt: Im Einschaltzyklus nimmt die Spule Energie auf, im Ausschaltzyklus gibt sie diese an die Last ab.

Kenngrößen und Verluste

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Eine reale Spule weicht vom idealen Modell ab. Neben der Induktivität \( L \) sind folgende Kenngrößen relevant:

DC-Widerstand \( R_{DC} \) Ohmscher Widerstand des Wicklungsdrahtes. Verursacht Verluste bei Gleichstrom und Niederfrequenz. Typisch: wenige Milliohm bis einige Ohm.
Sättigungsstrom \( I_{sat} \) Ab diesem Strom beginnt der Kern in die magnetische Sättigung zu gehen, die Induktivität nimmt deutlich ab. Darf im Betrieb nicht dauerhaft überschritten werden.
Gütefaktor \( Q \) Verhältnis von Blindwiderstand zu Verlustwiderstand. \( Q = \omega L / R \) (Serienersatzschaltbild). Hoher Q-Wert bedeutet geringe Verluste. Wichtig für Resonanzschaltungen und Filter.
Eigenresonanz \( f_r \) Jede Spule besitzt eine parasitäre Kapazität zwischen den Windungen. Oberhalb von \( f_r \) verhält sich die Spule kapazitiv statt induktiv. Dies begrenzt den nutzbaren Frequenzbereich.
Nennstrom / Dauerstrom Maximaler Betriebsstrom, bei dem die Erwärmung innerhalb der Spezifikation bleibt. Begrenzt durch den Drahtquerschnitt und die Kühlung.

Verlustmechanismen

Verluste in Spulen entstehen durch mehrere Mechanismen:

  • Kupferverluste: Ohmscher Widerstand des Wicklungsdrahtes, verstärkt bei hohen Frequenzen durch Skin- und Proximity-Effekt (Stromverdrängung an die Leiteroberfläche und ungleichmäßige Stromverteilung).
  • Kernverluste (Eisenverluste): Hystereseverluste (Ummagnetisierung des Kerns) und Wirbelstromverluste im leitfähigen Kernmaterial. Nehmen mit steigender Frequenz und Flussdichte zu.
  • Abstrahlung / elektromagnetische Kopplung: Magnetische Felder können in benachbarte Leiter einkoppeln und Störungen verursachen, insbesondere bei Luftspulen ohne Abschirmung.

Spule im Gleichstromkreis

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Im eingeschwungenen Gleichstrombetrieb, wenn der Strom konstant und die Stromänderungsrate \( \mathrm{d}i/\mathrm{d}t = 0 \) ist – verhält sich die reale Spule wie ein Kurzschluss mit dem Wicklungswiderstand \( R_{DC} \). Die induzierte Spannung ist null, die ideale Spule ist im stationären DC-Betrieb ein Kurzschluss.

Interessant wird es beim Ein- und Ausschaltvorgang. Schaltet man eine Gleichspannung \( U \) über einen Widerstand \( R \) an eine Spule, steigt der Strom nicht sofort auf seinen Endwert, sondern folgt einer Exponentialfunktion:

\( i(t) = \frac{U}{R} \cdot \left(1 - e^{-\frac{t}{\tau}}\right) \)

\( \tau = \dfrac{L}{R} \) = Zeitkonstante  |  Nach \( t = \tau \) hat der Strom 63 % seines Endwertes erreicht.
Nach \( t = 5\tau \) gilt der Vorgang als abgeschlossen.

Beim Abschalten des Stroms klingt er entsprechend exponentiell ab, dabei kann die Selbstinduktionsspannung ein Vielfaches der Versorgungsspannung erreichen. Diese Spannungsspitze kann angeschlossene Bauelemente zerstören. Eine Freilaufdiode (parallel zur Spule, in Sperrrichtung) ermöglicht den Weiterfluss des Stroms und begrenzt die Spannungsspitze.

Spule im Wechselstromkreis

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Im Wechselstromkreis wirkt die Spule als frequenzabhängiger Blindwiderstand. Dieser induktive Blindwiderstand (Reaktanz) \( X_L \) steigt proportional mit der Frequenz:

\( X_L = \omega \cdot L = 2\pi \cdot f \cdot L \)

\( X_L \) = induktiver Blindwiderstand in Ohm  |  \( \omega = 2\pi f \) = Kreisfrequenz  |  \( f \) = Frequenz in Hz  |  \( L \) = Induktivität in Henry

Der Phasenwinkel zwischen Spannung und Strom beträgt bei der idealen Spule +90°: Die Spannung eilt dem Strom um 90° voraus. (Merksatz: „Bei der Spule eilt die Spannung vor".)

Berechnungsbeispiel

Gesucht: Blindwiderstand einer 100-µH-Spule bei 100 kHz.

\( X_L = 2\pi \cdot 100\,\text{kHz} \cdot 100\,\mu\text{H} = 2\pi \cdot 10^5 \cdot 10^{-4}\,\Omega \approx 62{,}8\,\Omega \)

Da \( X_L \) mit der Frequenz zunimmt, lässt eine Spule Gleichstrom und tiefe Frequenzen nahezu ungehindert passieren, hemmt jedoch hohe Frequenzen stark. Dieses Verhalten ist die Basis von RL-Tiefpassfiltern und Drosseln zur Unterdrückung von Hochfrequenzstörungen.

Reihen- und Parallelschaltung

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Mehrere Spulen lassen sich reihen- oder parallelschalten. Voraussetzung: Die Spulen sind nicht magnetisch gekoppelt (kein gemeinsamer Kern, ausreichender Abstand).

Reihenschaltung

Die Induktivitäten addieren sich direkt:

\( L_{\text{ges}} = L_1 + L_2 + L_3 + \ldots \)

Parallelschaltung

Die Kehrwerte der Induktivitäten addieren sich:

\( \frac{1}{L_{\text{ges}}} = \frac{1}{L_1} + \frac{1}{L_2} + \frac{1}{L_3} + \ldots \)

Bei zwei Spulen parallel vereinfacht sich das zu:

\( L_{\text{ges}} = \frac{L_1 \cdot L_2}{L_1 + L_2} \)

Das Verhalten ist damit entgegengesetzt zum Kondensator: Kondensatoren in Reihe addieren ihre Kehrwerte, in Parallelschaltung addieren sich die Kapazitäten direkt.

Resonanzkreis (LC-Schwingkreis)

Schaltet man eine Spule und einen Kondensator zu einem LC-Schwingkreis zusammen, entsteht ein schwingfähiges System.

Bei der Resonanzfrequenz \( f_r \) sind induktiver und kapazitiver Blindwiderstand gleich groß:

\( X_L = X_C \)

\( X_L = 2\pi f L \)  |  \( X_C = \frac{1}{2\pi f C} \)

Daraus ergibt sich die Resonanzfrequenz:

\( f_r = \frac{1}{2\pi\sqrt{L \cdot C}} \)

Die Energie schwingt dabei periodisch zwischen dem magnetischen Feld der Spule und dem elektrischen Feld des Kondensators hin und her und bildet damit die Grundlage von Radioempfängern, Bandpassfiltern und Oszillatoren.

Anwendungen

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Spulen und Induktivitäten finden sich in nahezu allen Bereichen der Elektro- und Elektroniktechnik.

Schaltnetzteile und DC-DC-Wandler

Die Speicherdrossel ist das Herzstück jedes Schaltreglers (Buck, Boost, SEPIC).

Sie nimmt im Einschaltzyklus Energie auf und gibt sie im Ausschaltzyklus an die Last ab.

Typische Werte: 1 … 100 µH.

Entstördrosseln und EMV-Filter

Gleichtaktdrosseln und LC-Filter unterdrücken hochfrequente Störsignale auf Versorgungsleitungen.

Sie sind Pflicht in netzbetriebenen Geräten nach EMV-Richtlinie.

Transformatoren

Zwei induktiv gekoppelte Spulen auf einem gemeinsamen Kern.

Sie ermöglichen galvanische Trennung und Spannungstransformation, von der Kleinstsignalübertragung bis zum Hochspannungs-Netztransformator.

Filter und Frequenzweichen

Tief-, Hoch- und Bandpassfilter aus L und C.

Einsatz in Lautsprecher-Frequenzweichen, HF-Empfängern und Signalverarbeitungsschaltungen.

Relais und Elektromagnete

Eine stromdurchflossene Spule erzeugt eine Anzugskraft auf einen Eisenkern oder Anker.

Grundlage von Relais, Schützen, Magnetventilen und Linearmotoren.

Sensoren

Induktive Näherungsschalter, Wegsensoren (LVDT), Strommesszangen (Rogowski-Spule) und Metalldetektoren nutzen Änderungen magnetischer Felder oder der Induktivität durch äußere Einflüsse.

Bedeutung in der Elektronik

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Die Spule ist das einzige der drei passiven Grundbauelemente (R, C, L), das gezielt ein Magnetfeld und damit eine direkte Verbindung zur mechanischen Welt herstellt, etwa über Elektromagnete, Motoren und Aktoren. Gleichzeitig ermöglicht sie durch induktive Kopplung die berührungslose Energieübertragung (Transformator, induktives Laden).

In der modernen Leistungselektronik ist die Speicherdrossel unverzichtbar: Ohne sie wäre der hocheffiziente Schaltregler nicht in dieser Form realisierbar. Alle heutigen Prozessoren, Mobilgeräte und Elektrofahrzeuge sind auf Schaltregler angewiesen.

Die Spule ist zugleich das Bauelement, das am schwersten zu miniaturisieren ist: Während Transistoren heute auf wenigen Nanometern gebaut werden, benötigen Spulen durch ihr physikalisches Grundprinzip weiterhin Wickelfläche und Magnetkernvolumen. Die Integration von Induktivitäten in ICs und auf Leiterplatten (embedded inductors) ist daher ein aktives Forschungsfeld.

Formelsammlung

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Magnetische Feldstärke
\( H = \frac{N \cdot I}{l} \)

\( H \) [A/m] – Feldstärke  |  \( N \) – Windungszahl  |  \( I \) [A] – Strom  |  \( l \) [m] – Spulenlänge

Gilt für lange Spulen (Solenoid), beschreibt die Stärke des Magnetfeldes im Inneren.

Magnetische Flussdichte
\( B = \mu_0 \cdot \mu_r \cdot H \)

\( B \) [T] – Flussdichte  |  \( \mu_0 \) – Feldkonstante  |  \( \mu_r \) – relative Permeabilität

Beschreibt die „Dichte“ des Magnetfeldes im Material.

Induktivität (Spule)
\( L = \mu_0 \cdot \mu_r \cdot \frac{N^2 \cdot A}{l} \)

\( L \) [H] – Induktivität  |  \( A \) [m²] – Querschnitt  |  \( N \) – Windungen

Induktivität wächst quadratisch mit der Windungszahl und mit dem Kernmaterial.

Induktionsgesetz (Selbstinduktion)
\( u_L = L \cdot \frac{\mathrm{d}i}{\mathrm{d}t} \)

\( u_L \) [V] – Spannung  |  \( \frac{di}{dt} \) [A/s] – Stromänderung

Beschreibt die Spannung bei Stromänderung (Lenzsche Regel).

Energie im Magnetfeld
\( W = \frac{1}{2} L I^2 \)

\( W \) [J] – Energie  |  \( I \) [A] – Strom

Energie wird im Magnetfeld gespeichert und beim Abschalten wieder abgegeben.

Zeitkonstante (RL-Kreis)
\( \tau = \frac{L}{R} \)

\( \tau \) [s] – Zeitkonstante  |  \( R \) [Ω] – Widerstand

Bestimmt die Geschwindigkeit von Stromanstieg und -abfall.

Stromanstieg (Einschalten)
\( i(t) = \frac{U}{R} \cdot \left(1 - e^{-t/\tau}\right) \)

Exponentieller Stromanstieg im RL-Kreis.

Induktiver Blindwiderstand
\( X_L = 2\pi f L \)

\( X_L \) [Ω] – Blindwiderstand  |  \( f \) [Hz] – Frequenz

Steigt mit der Frequenz → Spule blockiert hohe Frequenzen.

Impedanz der Spule
\( Z_L = j\omega L \)

Komplexer Widerstand im Wechselstromkreis.

Resonanzfrequenz (LC-Kreis)
\( f_r = \frac{1}{2\pi\sqrt{LC}} \)

\( f_r \) [Hz] – Resonanzfrequenz

Energie schwingt zwischen elektrischem und magnetischem Feld.

Zusammenfassung

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Die Spule ist ein passives Bauelement, das Energie im magnetischen Feld speichert und Stromänderungen durch Selbstinduktion entgegenwirkt.

  • Induktivität \( L \) in Henry

    Wächst mit \( N^2 \), der Permeabilität des Kernmaterials und der Querschnittsfläche.

  • Magnetfeld \( H = NI/l \)

    Entsteht durch Stromfluss und wird durch Materialien mit hoher Permeabilität verstärkt.

  • Selbstinduktion \( u_L = L \cdot \mathrm{d}i/\mathrm{d}t \)

    Wirkt Stromänderungen entgegen; der Strom kann nicht sprunghaft wechseln.

  • Energie \( W = \frac{1}{2} L I^2 \)

    Energie wird im Magnetfeld gespeichert und beim Abbau des Stroms wieder abgegeben.

  • Gleichstrom \( \tau = L/R \)

    Im eingeschwungenen Zustand wirkt nur der Wicklungswiderstand; beim Schalten bestimmt die Zeitkonstante das Verhalten.

  • Wechselstrom \( X_L = 2\pi f L \)

    Blindwiderstand steigt mit der Frequenz; Spannung eilt dem Strom um 90° voraus.

  • Resonanz \( f_r = \frac{1}{2\pi\sqrt{LC}} \)

    Energie schwingt zwischen elektrischem und magnetischem Feld.

  • Anwendungen

    Schaltregler, Transformatoren, Filter, Drosseln, Relais, Sensoren und induktives Laden.