Sicherheitshinweis:
Diese Projekte sind ausschließlich für Schutzkleinspannung (SELV – Safety Extra Low Voltage) ausgelegt, wie sie beispielsweise von Batterien, sicheren Steckernetzteilen, Solarpanels (typischerweise ≤ 25 V) oder Labornetzteilen (typischerweise ≤ 15 V) bereitgestellt wird. Obwohl Schutzkleinspannung nach DIN VDE 0100-410 bis 50 V AC beziehungsweise 120 V DC definiert ist, können auch Spannungen in diesem Bereich bereits gefährlich sein. Daher werden in den Versuchen ausschließlich Spannungen deutlich unterhalb dieser Grenzwerte verwendet. Der Betrieb an Netzspannung (230 V) oder anderen gefährlichen Spannungsquellen ist unzulässig.

Einleitung

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Die Digitalelektronik bildet die Grundlage nahezu aller modernen Geräte, vom Mikrocontroller über den Computer bis hin zum Smartphone. Ihr Funktionsprinzip ist dabei bewusst einfach: Sie arbeitet mit nur zwei Zuständen, meist dargestellt als 0 und 1.

Gerade diese Reduktion macht sie so leistungsfähig. Komplexe Aufgaben werden in viele kleine, eindeutige Entscheidungen zerlegt, die sich mit Logikgattern realisieren lassen. Dieses Kapitel führt in die Schaltalgebra ein, erklärt die wichtigsten Logikfunktionen und zeigt Flip-Flops als grundlegende Speicherelemente. Ergänzend werden praxisnahe Projekte zum Nachbauen vorgestellt.

Vorausgesetzt werden grundlegende Kenntnisse der Elektronik: Spannung, Strom und Widerstand, das Ohmsche Gesetz, Reihen- und Parallelschaltungen sowie das Lesen einfacher Schaltpläne. Für die Praxisprojekte sind zudem typische Grundschaltungen hilfreich, insbesondere LED-Vorwiderstände und Pull-up-Widerstände.

Grundlagen auffrischen:
Eine kompakte und strukturierte Einführung findest du im Bereich Elektronik-Grundlagen.

Binäre Logik

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In digitalen Schaltungen werden Spannungen in zwei klar getrennte Bereiche eingeteilt: Low (L, 0) und High (H, 1). Die genauen Pegelgrenzen (Schaltschwellen) hängen von der verwendeten Logikfamilie ab.

Bezeichnungen:
TTL = Transistor-Transistor-Logik (bipolare Technik)
CMOS = Complementary Metal-Oxide-Semiconductor (MOS-Technik)

Logikfamilie Versorgung Low (max.) High (min.)
TTL (74xx) 5 V 0,8 V 2,0 V
CMOS (4000er) 3–15 V ≤ 0,3 · VCC ≥ 0,7 · VCC
74HC (CMOS) 2–6 V ≤ 0,3 · VCC ≥ 0,7 · VCC
74HCT (TTL-kompatibel) 5 V 0,8 V 2,0 V

Merksatz:
TTL → feste absolute Pegel
CMOS → Pegel relativ zu VCC

Praxis-Tipp:
74HCT ist ideal, wenn CMOS-ICs mit TTL-Signalen oder Mikrocontrollern kombiniert werden.

Der Bereich zwischen Low und High ist nicht definiert. Liegt ein Eingang in diesem Übergangsbereich, kann die Schaltung unvorhersehbar reagieren.

Daher gilt eine wichtige Praxisregel: Unbenutzte Eingänge niemals offen lassen, sondern immer eindeutig auf High oder Low legen, zum Beispiel über einen Pull-up-Widerstand.

Logikgatter: AND, OR, NOT, XOR

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Logikgatter sind die elementaren Bausteine der Digitalelektronik. Sie verknüpfen Eingangssignale logisch und liefern am Ausgang das Ergebnis. Aus wenigen Grundfunktionen lassen sich beliebig komplexe digitale Schaltungen aufbauen.

Grundgatter im Überblick

Wichtige logische Verknüpfungen und ihre Darstellung

Wahrheitstabelle aller Grundgatter

Eine Wahrheitstabelle zeigt für jede mögliche Kombination der Eingangssignale den resultierenden Ausgangswert. Sie ist das zentrale Werkzeug zur Beschreibung und Analyse digitaler Schaltungen.

A B AND OR XOR NAND NOR
0 0 0 0 0 1 1
0 1 0 1 1 1 0
1 0 0 1 1 1 0
1 1 1 1 0 0 0

Merkhilfe: AND = „beide“, OR = „mindestens eines“, XOR = „genau eines (bei zwei Eingängen)“, NOT = „invertiert“.

Gatter-Simulation

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Wähle eine Logikfunktion und schalte die Eingänge A und B per Klick zwischen 0 und 1 um. Der Ausgang wird automatisch berechnet und leuchtet grün, wenn er auf High liegt.

A:
B: → Y:
0

Aktueller Term: Y = A · B

Schaltalgebra

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Die Schaltalgebra, auch als boolesche Algebra bezeichnet, wurde von George Boole entwickelt und bildet die mathematische Grundlage digitaler Schaltungen. Mit ihren Regeln lassen sich logische Ausdrücke systematisch umformen und vereinfachen, wodurch effizientere und ressourcenschonendere Schaltungen entstehen.

Grundgesetze

Wichtige Rechenregeln zur Beschreibung und Vereinfachung logischer Verknüpfungen

Gesetz UND ODER
Kommutativgesetz \( A \cdot B = B \cdot A \) \( A + B = B + A \)
Assoziativgesetz \( (A \cdot B) \cdot C = A \cdot (B \cdot C) \) \( (A + B) + C = A + (B + C) \)
Distributivgesetz \( A \cdot (B + C) = A \cdot B + A \cdot C \) \( A + (B \cdot C) = (A + B) \cdot (A + C) \)
Idempotenzgesetz \( A \cdot A = A \) \( A + A = A \)
Komplementgesetz \( A \cdot \bar{A} = 0 \) \( A + \bar{A} = 1 \)
Neutralitätsgesetz \( A \cdot 1 = A \) \( A + 0 = A \)
Absorptionsgesetz \( A \cdot (A + B) = A \) \( A + A \cdot B = A \)

Gesetze von De Morgan

Die De-Morgan-Regeln zeigen, wie sich UND- und ODER-Verknüpfungen durch Negation ineinander überführen lassen.

Hinweis: Der Überstrich (\(\bar{A}\)) steht für die Negation (NOT). Das bedeutet: Das Signal wird umgekehrt – aus 1 wird 0 und aus 0 wird 1.

Beispiel: Ist \( A = 1 \), dann gilt \( \bar{A} = 0 \).

\[ \overline{A \cdot B} = \bar{A} + \bar{B} \qquad\text{und}\qquad \overline{A + B} = \bar{A} \cdot \bar{B} \]

In der Praxis bedeutet das: Jede logische Funktion lässt sich ausschließlich mit NAND- oder ausschließlich mit NOR-Gattern realisieren. Diese sogenannten universellen Gatter sind daher zentrale Bausteine digitaler Schaltungen.

Termminimierung

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Eine direkte Umsetzung einer Wahrheitstabelle führt oft zu einer Schaltung mit unnötig vielen Gattern. Durch Vereinfachung des logischen Ausdrucks lassen sich Bauteile einsparen, die Verlustleistung reduzieren und die Schaltung beschleunigen.

Ziel der Minimierung: möglichst wenige Gatter bei gleicher Funktion.

Beispiel: Vereinfachung mit Schaltalgebra

Gegeben sei der Ausdruck:

\[ Y = A \cdot B + A \cdot \bar{B} \]

Durch Ausklammern von \( A \) ergibt sich:

\[ Y = A \cdot (B + \bar{B}) = A \cdot 1 = A \]

Aus drei Gattern wird eine einfache Verbindung – ein deutlicher Gewinn an Effizienz.

Karnaugh-Diagramm (KV-Diagramm)

Das Karnaugh-Diagramm ist ein grafisches Verfahren zur Termminimierung. Es ordnet die Wahrheitstabelle so an, dass benachbarte Felder sich nur in einer Variablen unterscheiden. Durch das Zusammenfassen benachbarter Einsen lassen sich die minimalen Terme direkt ablesen.

Wichtig: Blöcke dürfen sich überlappen und müssen möglichst groß gewählt werden.

Vorgehensweise

  1. Wahrheitstabelle aufstellen
  2. Einsen in das KV-Diagramm eintragen
  3. Möglichst große Blöcke aus 1, 2, 4 oder 8 benachbarten Einsen bilden
  4. Für jeden Block den vereinfachten Term bestimmen
  5. Alle Blockterme mit OR verknüpfen

Im nächsten Kapitel kannst du dieses Verfahren direkt anwenden.

Interaktives KV-Diagramm

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Klicke in die Felder, um zwischen 0 und 1 zu wechseln. Der zugehörige Boolesche Term wird automatisch minimiert (Quine-McCluskey-Verfahren).

Dadurch erkennst du direkt, welche Kombinationen sich zu größeren Blöcken zusammenfassen lassen und wie daraus ein vereinfachter Ausdruck entsteht.

  • Setze einzelne 1 → entspricht einem Minterm
  • Füge benachbarte 1 hinzu → Term wird kürzer
  • Große Blöcke → maximale Vereinfachung
Minimierter Term
Y = 0

Tipp: Beginne mit einer einzelnen 1 und erweitere schrittweise, so erkennst du gut, wie sich größere Blöcke bilden und der Term vereinfacht.

Flip-Flops

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Logikgatter berechnen ihren Ausgang ausschließlich aus den aktuellen Eingangswerten — sie besitzen kein Gedächtnis. Viele digitale Systeme benötigen jedoch genau diese Fähigkeit: das Speichern eines Zustands. Diese Aufgabe übernehmen Flip-Flops, die elementaren 1-Bit-Speicher der Digitalelektronik.

RS-Flip-Flop

Das RS-Flip-Flop ist ein einfacher Speicher für ein Bit. Es besteht aus zwei rückgekoppelten Logikgattern und hat zwei Eingänge:

  • S (Set): setzt den Ausgang Q auf 1
  • R (Reset): setzt den Ausgang Q auf 0

Wichtig: Das Verhalten hängt davon ab, ob NAND- oder NOR-Gatter verwendet werden.

  • NOR-Flip-Flop:
    S = 0, R = 0 → Zustand bleibt erhalten
    S = 1, R = 1 → verbotener Zustand (undefiniert)
  • NAND-Flip-Flop:
    S = 1, R = 1 → Zustand bleibt erhalten
    S = 0, R = 0 → verboten

Merksatz: NOR hält bei 0 – NAND hält bei 1

D-Flip-Flop

Das D-Flip-Flop (D wie Data oder Delay) ist taktgesteuert. Der Wert am Eingang D wird genau bei der steigenden Taktflanke übernommen und bis zur nächsten Flanke gespeichert.

Es bildet die Grundlage für Register, Schieberegister und Zähler und ist eines der wichtigsten Speicherelemente in digitalen Systemen.

JK-Flip-Flop

Das JK-Flip-Flop erweitert das RS-Flip-Flop und vermeidet den verbotenen Zustand. Es kennt vier definierte Betriebsarten:

J K Q (nach Takt) Funktion
0 0 Q (unverändert) Halten
0 1 0 Reset
1 0 1 Set
1 1 ¬Q Toggle

Besonders wichtig ist die Toggle-Funktion (J = K = 1): Bei jeder Taktflanke wechselt der Ausgang seinen Zustand. Damit lassen sich Frequenzteiler und Zähler realisieren.

T-Flip-Flop

Das T-Flip-Flop (T wie Toggle) ist ein vereinfachtes JK-Flip-Flop mit nur einem Eingang:

  • T = 0: Zustand bleibt unverändert
  • T = 1: Zustand wechselt bei jeder Taktflanke

Es wird häufig in Zählern und Taktteilern eingesetzt.

Visualisierung & Vergleich

Timing-Diagramm (D-Flip-Flop)

Das Ausgangssignal Q übernimmt den Wert von D nur bei der steigenden Taktflanke. Die Animation zeigt dieses Verhalten vereinfacht.

CLK
D
Q

Nur bei der steigenden Flanke übernimmt Q den aktuellen Wert von D.

Vergleich der Flip-Flops

Typ Eingänge Verhalten Einsatz
RS S, R einfach, aber verbotener Zustand Grundschaltungen
D D, CLK speichert Wert bei Taktflanke Register, Speicher
JK J, K, CLK kein verbotener Zustand Zähler, Steuerlogik
T T, CLK wechselt Zustand automatisch Frequenzteiler

ICs in digitalen Schaltungen

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In modernen digitalen Schaltungen werden einzelne Transistoren kaum noch direkt verwendet. Stattdessen kommen integrierte Schaltungen (ICs) zum Einsatz, in denen viele Logikgatter, Flip-Flops oder sogar komplette Funktionsblöcke auf einem Chip zusammengefasst sind.

Besonders im Lern- und Hobbybereich haben sich zwei IC-Familien etabliert: die klassische TTL-Serie (74xx) und die CMOS-Serie (4000 bzw. 74HC/74HCT).

Wichtige Standard-ICs

IC Funktion Anwendungsbeispiel
7400 / 4011 4 × NAND Universelle Logik
7402 / 4001 4 × NOR RS-Flip-Flop
7404 / 4069 6 × NOT Inverter, Pegelanpassung
7408 / 4081 4 × AND Verknüpfungslogik
7432 / 4071 4 × OR Verknüpfungslogik
7486 / 4070 4 × XOR Addierer, Paritätsprüfung
7474 / 4013 2 × D-Flip-Flop Register, Speicher
7476 / 4027 2 × JK-Flip-Flop Zähler, Frequenzteiler
7490 / 4518 Dezimalzähler Zählschaltungen
7493 / 4520 Binärzähler Frequenzteiler
74164 / 4015 Schieberegister Lauflicht
NE555 / 7555 Timer Oszillator, Monoflop
4017 Dekadenzähler mit 10 Ausgängen Lauflicht, Ablaufsteuerung
4026 Dezimalzähler + 7-Seg-Decoder Ziffernanzeigen
4060 Oszillator + 14-stufiger Teiler Langzeit-Timer

TTL oder CMOS?

TTL-Bausteine arbeiten typischerweise mit 5 V und zeichnen sich durch schnelle Schaltzeiten aus, benötigen jedoch vergleichsweise viel Strom.

CMOS-ICs sind deutlich stromsparender und in einem breiteren Spannungsbereich (typisch 3 V bis 15 V bei der 4000er-Serie) einsetzbar. Moderne Varianten wie die 74HC- und 74HCT-Serie kombinieren die Vorteile: hohe Geschwindigkeit bei geringem Energieverbrauch und kompatiblen Logikpegeln.

Praxis-Tipp: Für Einsteiger und typische Projekte sind 74HC-ICs ideal. Sie lassen sich direkt mit Mikrocontrollern (z. B. 3,3 V oder 5 V) betreiben und sind leicht verfügbar.

Projekt: Codeschloss

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Ein einfaches Codeschloss ist eine klassische Anwendung der Schaltalgebra: Aus einer definierten Wahrheitstabelle wird mithilfe der Termminimierung eine reale Schaltung aufgebaut. Nur bei der richtigen Kombination wird der Ausgang aktiviert — z. B. für eine LED, ein Relais oder einen Türöffner.

Aufgabenstellung

Vier Schalter \( S_1 \) bis \( S_4 \) bilden den Eingang. Das Schloss soll genau dann öffnen (\( Y = 1 \)), wenn die Schalterstellung dem festgelegten Code entspricht.

Beispielcode: \( S_1 = 1,\; S_2 = 0,\; S_3 = 1,\; S_4 = 1 \)

Direkte Lösung

Da nur eine einzige Kombination gültig ist, ergibt sich direkt der Term:

\[ Y = S_1 \cdot \bar{S_2} \cdot S_3 \cdot S_4 \]

Die Umsetzung erfolgt mit:

  • einem 4-fach-AND-Gatter (z. B. 4082)
  • einem Inverter (z. B. 4069) für \( S_2 \)

Damit lässt sich ein vollständiges 4-stelliges Codeschloss bereits mit nur zwei ICs realisieren.

S1 S2 S3 S4 NOT AND (4-fach) Y R LED
Codeschloss mit AND-Gatter und Inverter. Die LED leuchtet nur bei der korrekten Schalterkombination.

Erweiterung: „Falsch“-Erkennung

Eine zweite LED kann anzeigen, ob ein falscher Code eingegeben wurde. Sie soll nur leuchten, wenn mindestens ein Schalter betätigt wurde, aber der Code nicht korrekt ist.

\[ Y_\text{falsch} = \bar{Y} \cdot (S_1 + S_2 + S_3 + S_4) \]

Dadurch bleibt die Anzeige im Ruhezustand (alle Schalter = 0) deaktiviert und reagiert erst bei tatsächlicher Eingabe.

Praxis-Tipp

Für ein realistisches Codeschloss können die Schalter durch ein Tastenfeld ersetzt werden. Mithilfe einer Diodenmatrix lässt sich jede Taste in ein bestimmtes Bitmuster übersetzen. Die eigentliche Logik bleibt dabei unverändert.

Hinweis: Bei vielen Eingängen steigt die Anzahl möglicher Kombinationen exponentiell: 4 Schalter → 16 Kombinationen, 8 Schalter → 256 Kombinationen.

Lehrwert

Dieses Projekt ist eine direkte Anwendung der Termminimierung aus dem KV-Diagramm-Kapitel. Es zeigt anschaulich, wie aus einer logischen Bedingung eine reale Schaltung entsteht.

Projekt: Volladdierer

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Der Volladdierer zeigt eindrucksvoll, wie aus reiner Logik Arithmetik entsteht. Er addiert zwei Bits sowie einen eingehenden Übertrag und liefert sowohl die Summe als auch den neuen Übertrag. Mehrere hintereinander geschaltete Volladdierer bilden die Grundlage jedes digitalen Rechenwerks.

Funktionsprinzip

Bei der Addition zweier Bits ergeben sich vier Grundfälle: \( 0+0=0 \), \( 0+1=1 \), \( 1+0=1 \) und \( 1+1=10 \). Im letzten Fall entsteht ein Übertrag.

Der Volladdierer berücksichtigt zusätzlich den Übertrag der vorherigen Stelle (\( C_\text{in} \)) und verarbeitet somit drei Eingänge gleichzeitig.

Wahrheitstabelle

A B Cin S (Summe) Cout (Übertrag)
0 0 0 0 0
0 0 1 1 0
0 1 0 1 0
0 1 1 0 1
1 0 0 1 0
1 0 1 0 1
1 1 0 0 1
1 1 1 1 1

Logikgleichungen

Aus der Wahrheitstabelle ergeben sich nach Termminimierung die beiden zentralen Gleichungen:

\[ S = A \oplus B \oplus C_\text{in} \]

\[ C_\text{out} = A \cdot B + C_\text{in} \cdot (A \oplus B) \]

Schaltungsaufbau

Schaltbild Volladdierer
Volladdierer aus zwei XOR-, zwei AND- und einem OR-Gatter. Mit zwei NAND-ICs (4011) und einem XOR-IC (4070) komplett aufbaubar.

Die Summe entspricht also einer XOR-Verknüpfung aller Eingänge, während der Übertrag dann entsteht, wenn mindestens zwei Eingänge den Wert 1 haben.

4-Bit-Addierer

Werden mehrere Volladdierer hintereinander geschaltet, entsteht ein sogenannter Ripple-Carry-Addierer. Dabei wird der Übertrag jeweils an die nächste Stelle weitergegeben.

Vier solcher Stufen ergeben einen 4-Bit-Addierer für Zahlen von 0 bis 15. Diese Funktion ist auch als fertiger IC verfügbar, z. B. als 7483 (TTL) oder 4008 (CMOS).

Praxis: Sichtbar machen

Besonders anschaulich wird der Aufbau mit DIP-Schaltern als Eingabe und 7-Segment-Anzeigen für das Ergebnis. In Kombination mit BCD-zu-7-Segment-Decodern entsteht ein einfacher binärer Rechner, der zwei Zahlen addiert und direkt darstellt.

Hinweis: Der Übertrag benötigt Zeit, um durch alle Stufen zu wandern (Ripple-Effekt). Bei großen Addierern begrenzt dies die maximale Geschwindigkeit — ein wichtiger Aspekt in der Rechnerarchitektur.

Projekt: BCD-zu-7-Segment-Decoder

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Im Dezimalzähler-Projekt kommt der IC 4026 zum Einsatz, der die 7-Segment-Ansteuerung bereits integriert hat. In diesem Kapitel wird die Decodierung jedoch bewusst separat betrachtet, da nicht jeder Zähler direkt passende Segmentsignale liefert.

Aufgabenstellung

Eingang: ein 4-Bit-BCD-Code (D, C, B, A) für die Ziffern 0 bis 9.
Ausgang: sieben Steuersignale (a bis g) zur Ansteuerung einer 7-Segment-Anzeige.

a b c d e f g
Standardbenennung der sieben Segmente nach dem Uhrzeigersinn, beginnend oben. Das mittlere Segment heißt g.

Wahrheitstabelle

Für jede Dezimalziffer wird festgelegt, welche Segmente aktiv sind. Eine „1“ bedeutet: Segment leuchtet, „0“: Segment aus.

Ziffer D C B A a b c d e f g
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0
3 0 0 1 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Beispiel: Minimierung für Segment a

Segment a ist für die Ziffern \( 0, 2, 3, 5, 6, 7, 8, 9 \) aktiv.

Mit einem KV-Diagramm ergibt sich der minimierte Ausdruck:

\[ a = D + B + (C \cdot A) + (\bar{C} \cdot \bar{A}) \]

Die Herleitung lässt sich direkt mit dem interaktiven KV-Diagramm nachvollziehen, indem die entsprechenden Ziffern als Einsen markiert werden.

Hinweis: Die Tabelle gilt für 7-Segment-Anzeigen mit gemeinsamer Kathode (aktive High-Pegel). Bei gemeinsamer Anode müssen alle Signale invertiert werden.

Praktische Umsetzung mit ICs

In der Praxis werden die sieben Gleichungen selten einzeln aufgebaut. Stattdessen verwendet man fertige Decoder-ICs.

IC Logikfamilie Anzeigetyp Besonderheit
7447 TTL gemeinsame Anode aktive Low-Ausgänge
7448 TTL gemeinsame Kathode aktive High-Ausgänge
4511 CMOS gemeinsame Kathode integriertes Latch
4543 CMOS universell umschaltbare Logik (Phase-Pin)

Anwendung

In Kombination mit einem Binärzähler (z. B. 4029 oder 74193) und einem Decoder wie dem 4511 entsteht ein flexibler Dezimalzähler mit Anzeige.

Im Gegensatz zum 4026 lassen sich hier Startwert, Zählrichtung und Anzeige frei kombinieren.

Praxis-Tipp: Achte auf den Anzeigetyp (gemeinsame Anode oder Kathode). Der Decoder muss zur Anzeige passen, da sich die Logikpegel unterscheiden.

Projekt: Multiplexer / Datenwähler

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Ein Multiplexer ist gewissermaßen ein digitaler Umschalter: Über wenige Auswahlleitungen entscheidet er, welcher von mehreren Eingängen mit dem Ausgang verbunden wird. Damit lassen sich viele Signale über wenige Leitungen verarbeiten — besonders nützlich bei Mikrocontrollern mit begrenzter Pinanzahl.

Funktionsprinzip

Ein 8:1-Multiplexer besitzt acht Dateneingänge \( D_0 \) bis \( D_7 \) sowie drei Auswahl-Eingänge \( S_2, S_1, S_0 \). Diese bilden eine 3-Bit-Binärzahl, die bestimmt, welcher Eingang am Ausgang erscheint:

\[ Y = D_n \quad \text{mit} \quad n = 4S_2 + 2S_1 + S_0 \]

Beispiel: \( S_2 S_1 S_0 = 101_2 = 5 \) ⇒ Ausgang \( Y = D_5 \)

Wahrheitstabelle

S2 S1 S0 Ausgewählter Eingang
0 0 0 D0
0 0 1 D1
0 1 0 D2
0 1 1 D3
1 0 0 D4
1 0 1 D5
1 1 0 D6
1 1 1 D7

Standard-ICs

IC Typ Eingänge Besonderheit
74151 1-aus-8 Multiplexer 8 invertierter Ausgang
74153 2 × 4-aus-1 4 + 4 zwei unabhängige Multiplexer
4051 1-aus-8 (analog/digital) 8 auch für analoge Signale geeignet
4052 2 × 1-aus-4 (analog/digital) 4 + 4 differenzielle Signale möglich
4067 1-aus-16 (analog/digital) 16 4 Auswahl-Eingänge

Besonders vielseitig sind die CMOS-ICs der 405x-Reihe: Sie können nicht nur digitale Signale schalten, sondern auch analoge Spannungen übertragen. Dadurch eignen sie sich ideal zur Erweiterung von ADC-Eingängen.

Anwendung: Mehrere Sensoren mit einem ADC

Ein typisches Szenario ist das Einlesen mehrerer Sensoren mit nur einem Analog-Eingang:

  • Drei Mikrocontroller-Pins steuern die Auswahlleitungen \( S_0, S_1, S_2 \)
  • Der gemeinsame Ausgang des 4051 wird mit dem ADC verbunden
  • Die Eingänge werden nacheinander durchgeschaltet und gemessen

So lassen sich acht Sensoren mit nur vier Pins auslesen — ein erheblicher Vorteil bei kleinen Mikrocontrollern.

Demultiplexer — Umkehrfunktion

Beim Demultiplexer wird ein einzelnes Signal gezielt auf einen von mehreren Ausgängen verteilt. Viele Bausteine wie der 4051 sind bidirektional und können daher sowohl als Multiplexer als auch als Demultiplexer verwendet werden.

Praxisaufbau mit LEDs

Zum Experimentieren können die Eingänge über DIP-Schalter gesetzt werden, während eine LED am Ausgang den aktuell ausgewählten Zustand anzeigt. Mit einem Taktgenerator (z. B. einem 4017-Zähler) lassen sich die Eingänge automatisch durchschalten — der Multiplexer arbeitet dann wie ein elektronischer Abtaster.

Projekt: Tasterentprellung mit RS-Flip-Flop

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Mechanische Taster und Schalter prellen: Beim Betätigen öffnet und schließt der Kontakt innerhalb weniger Millisekunden mehrfach, bevor er stabil bleibt. Für digitale Schaltungen sieht das wie mehrere schnelle Impulse aus, obwohl nur ein einziger Tastendruck gewünscht ist.

Das Problem

Typische Prellzeiten liegen im Bereich von etwa 1 bis 10 ms. In dieser Zeit entstehen mehrere unerwünschte Signalwechsel. Ohne Entprellung führt das zu Fehlzählungen oder instabilem Verhalten in Zählern, Flip-Flops oder Mikrocontrollern.

Lösung mit Wechselschalter und RS-Flip-Flop

Die zuverlässigsten Ergebnisse liefert ein RS-Flip-Flop in Kombination mit einem Wechselschalter (Schließer/Öffner). Das Flip-Flop speichert den Zustand sofort beim ersten Kontaktwechsel und bleibt stabil, unabhängig davon, wie stark der mechanische Kontakt prellt.

Wichtig: Diese Lösung funktioniert nur mit einem Wechselschalter (SPDT), nicht mit einem einfachen Taster.

Tasterentprellung mit Umschalter und RS-Flip-Flop
Tasterentprellung mit Umschalter und RS-Flip-Flop aus zwei NAND-Gattern. Egal wie stark die Kontakte prellen, Q liefert ein sauberes, eindeutiges Signal.

Funktionsweise im Detail

Phase IN1 IN2 Q Erklärung
1 0 1 gesetzt Flip-Flop wird eindeutig gesetzt
1 1 halten Mittelstellung → Zustand bleibt stabil
2 1 0 neu gesetzt Umschalten in neuen Zustand
Kontaktprellen hat keinen Einfluss, da der Zustand bereits stabil ist.

Dimensionierung

Die Pull-up-Widerstände werden typischerweise mit etwa 10 kΩ gewählt. Dieser Wert bietet einen guten Kompromiss zwischen geringem Stromverbrauch und ausreichender Störsicherheit.

Alternative: RC-Entprellung mit Schmitt-Trigger

Bei einfachen Tastern (ohne Umschaltkontakt) wird häufig ein RC-Tiefpass in Kombination mit einem Schmitt-Trigger eingesetzt (z. B. 4093 oder 74HC14). Der RC-Tiefpass glättet das Prellsignal, der Schmitt-Trigger formt daraus wieder eine saubere digitale Flanke.

Diese Lösung ist einfach umzusetzen, aber nicht so eindeutig wie die Flip-Flop-Variante. Die Entprellung mit RS-Flip-Flop liefert ein garantiert stabiles und prellfreies Signal.

Projekt: Oszillator mit NE555

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Ein Taktgenerator (Oszillator) erzeugt ein periodisches Signal und bildet die Grundlage vieler digitaler Schaltungen. Der NE555 ist einer der bekanntesten Timer-Bausteine und lässt sich in astabiler Beschaltung sehr einfach als Rechteckgenerator einsetzen.

NE555 als astabiler Multivibrator
NE555 als astabiler Multivibrator mit den frequenzbestimmenden Bauteilen R1, R2 und C.

Funktionsprinzip

Der Kondensator wird über R1 und R2 aufgeladen und über R2 sowie den internen Entladetransistor (Pin 7) entladen. Dabei schaltet der interne Komparator des NE555 zwischen zwei Schaltschwellen (ca. 1/3 und 2/3 der Versorgungsspannung). Dadurch entsteht ein periodisches Rechtecksignal am Ausgang.

Frequenzberechnung

Die Ausgangsfrequenz hängt von den Bauteilwerten R1, R2 und C ab:

\[ f = \frac{1{,}44}{(R_1 + 2 \cdot R_2) \cdot C} \]

Vordimensionierte Beispiele

Die folgenden Werte sind praxisnah gewählt. Die Frequenzen werden serverseitig berechnet und sind damit konsistent zur obigen Formel:

Anwendung R1 R2 C Frequenz f
Blink-LED 10 kΩ 68 kΩ 10,0 µF 0,99 Hz
Lauflicht-Takt 10 kΩ 47 kΩ 1,0 µF 13,85 Hz
Hörbarer Ton 1 kΩ 7 kΩ 100 nF 986,30 Hz
Sirenenmodulator 100 kΩ 470 kΩ 10,0 µF 0,14 Hz

Tastverhältnis (Duty Cycle)

Die High- und Low-Zeiten sind unterschiedlich lang:

\[ t_H = 0{,}69 \cdot (R_1 + R_2) \cdot C \qquad t_L = 0{,}69 \cdot R_2 \cdot C \]

Daraus ergibt sich das Tastverhältnis:

\[ D = \frac{t_H}{t_H + t_L} = \frac{R_1 + R_2}{R_1 + 2R_2} \]

Ein Tastverhältnis von genau 50 % ist mit der Standardbeschaltung nicht erreichbar. Durch eine Diode parallel zu R2 lässt sich jedoch eine nahezu symmetrische Ansteuerung realisieren.

Praxis-Tipps

  • Stabile Frequenz: Kondensatoren mit geringer Toleranz verwenden (z. B. Folienkondensatoren)
  • Widerstandswerte beachten: Keine sehr kleinen Widerstände (< 1 kΩ), da der Entladetransistor im NE555 sonst überlastet wird
  • Symmetrisches Signal: Diode parallel zu R2 einsetzen, um Lade- und Entladepfade zu trennen

Projekt: Soundgenerator

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Wird der NE555-Oszillator in den hörbaren Frequenzbereich erweitert (ca. 20 Hz bis 20 kHz), entsteht ein einfacher Tongenerator. Durch Kombination mehrerer Oszillatoren lassen sich nicht nur konstante Töne, sondern auch modulierte Signale wie Sirenen oder Effektklänge erzeugen.

Grundprinzip

Ein einzelner NE555 erzeugt ein Rechtecksignal, dessen Frequenz durch Widerstände und Kondensator bestimmt wird. Das Signal kann einen kleinen Lautsprecher ansteuern, sollte jedoch idealerweise über eine Transistorstufe verstärkt werden.

Typischer hörbarer Bereich: 300 Hz bis 3 kHz für klare, gut wahrnehmbare Töne

Aufbau mit zwei Oszillatoren

  • Oszillator 1 (Modulation)
    0,5–5 Hz
    → langsame Änderung der Tonhöhe
  • Oszillator 2 (Ton)
    300–2000 Hz
    → erzeugt den hörbaren Klang
  • Kopplung
    OSZ1 → Pin 5 von OSZ2 (über Widerstand)
  • Ausgang
    Lautsprecher über ~100 Ω

Sirenenklang (Frequenzmodulation)

Wird die Frequenz des zweiten Oszillators durch den ersten moduliert, entsteht ein kontinuierlich steigender und fallender Ton — der typische Sirenenklang.

Alternativ kann der langsame Oszillator den schnellen über den Reset-Eingang (Pin 4) ein- und ausschalten. Dadurch entsteht ein pulsierender Ton (An/Aus-Effekt).

Praxis-Tipps

  • Der NE555 kann nur begrenzt Strom liefern – für lauteren Klang besser einen Transistor als Treiberstufe verwenden.
  • Ein kleiner Piezo-Summer benötigt keinen Vorwiderstand und ist einfacher anzusteuern.
  • Mit einem Potentiometer im Widerstandsnetzwerk lässt sich die Tonhöhe stufenlos einstellen.
  • Durch Variation von R und C lassen sich gezielt Tonbereiche einstellen (z. B. Alarm, Klingel, Effekt).

Erweiterungen

  • Mehrere Oszillatoren → komplexe Klangmuster
  • Steuerspannung über Sensoren (z. B. LDR) → lichtabhängiger Ton
  • Mikrocontroller ersetzt Modulation → digitale Klangerzeugung

Projekt: Ampelsteuerung

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Eine Ampel folgt einer festen Zustandsfolge: Rot → Rot-Gelb → Grün → Gelb → Rot. Diese Sequenz lässt sich mit einem Dezimalzähler (CD4017) und wenigen Zusatzbauteilen vollständig ohne Mikrocontroller realisieren.

Funktionsprinzip

Der CD4017 besitzt zehn dekodierte Ausgänge (Q0 bis Q9), von denen immer genau einer aktiv ist. Mit jedem Taktimpuls wandert das aktive Signal zum nächsten Ausgang. Durch geschicktes Zusammenfassen mehrerer Ausgänge entstehen die einzelnen Ampelphasen.

Phase Aktive Ausgänge Rot Gelb Grün
1 (Rot) Q0, Q1, Q2
2 (Rot-Gelb) Q3
3 (Grün) Q4, Q5, Q6
4 (Gelb) Q7

Aufbau

  1. Ein NE555 erzeugt als astabiler Multivibrator einen Takt von etwa 1 Hz (siehe Oszillator-Projekt).
  2. Der Takt wird auf den Clock-Eingang (Pin 14) des CD4017 geführt.
  3. Ausgang Q8 wird mit dem Reset-Eingang (Pin 15) verbunden. Dadurch zählt der 4017 nur bis 7 und springt dann zurück auf Q0.
  4. Mehrere Q-Ausgänge werden über Dioden (z. B. 1N4148) auf die jeweiligen LEDs zusammengeführt (Dioden-ODER).
  5. Jede LED benötigt einen eigenen Vorwiderstand (typisch 220–470 Ω bei 5 V).

Warum Dioden?

Die Dioden verhindern, dass sich die Ausgänge des 4017 gegenseitig beeinflussen. Ohne diese Entkopplung würden sich die Signale „kurzschließen“, da mehrere Ausgänge gleichzeitig eine LED ansteuern.

Timing und Anpassung

Die Dauer der einzelnen Ampelphasen ergibt sich direkt aus der Anzahl der verwendeten Zählerzustände:

  • Rot: 3 Takte
  • Rot-Gelb: 1 Takt
  • Grün: 3 Takte
  • Gelb: 1 Takt

Über die Frequenz des NE555 lässt sich die gesamte Zyklusdauer einfach skalieren.

Praxis-Tipps

  • Für realistische Ampelzeiten kann die Taktfrequenz auf etwa 0,2–0,5 Hz reduziert werden.
  • Der Reset-Eingang sollte mit einem Pull-down-Widerstand stabil auf Low gehalten werden.
  • Für höhere Lasten (z. B. Lampen) ist eine Transistorstufe notwendig.

Projekt: LED-Lauflicht

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Ein LED-Lauflicht ist eine klassische Anwendung des CD4017-Dekadenzählers. Mit jedem Taktimpuls wird der aktive Ausgang weitergeschaltet, sodass mehrere LEDs nacheinander aufleuchten und ein wandernder Lichtpunkt entsteht.

Funktionsprinzip

Der CD4017 besitzt zehn Ausgänge (Q0 bis Q9), von denen immer genau einer aktiv ist. Ein Taktgenerator (NE555) liefert die Impulse, die den Zähler Schritt für Schritt weiterschalten.

Schaltungsaufbau

  1. Ein NE555 erzeugt ein Rechtecksignal im Bereich von etwa 5–10 Hz.
  2. Dieses Signal wird auf den Clock-Eingang (Pin 14) des CD4017 geführt.
  3. Die Ausgänge Q0 bis Q9 treiben jeweils eine LED über einen eigenen Vorwiderstand (typisch 220–470 Ω).
  4. Der Reset-Eingang (Pin 15) wird auf GND gelegt, sodass alle zehn Zustände durchlaufen werden.

Geschwindigkeit einstellen

Die Laufgeschwindigkeit wird über die Frequenz des NE555 bestimmt. Ersetzt man einen der Widerstände (z. B. R2) durch ein Potentiometer (typisch 100 kΩ), lässt sich die Geschwindigkeit stufenlos einstellen.

Niedrige Frequenz → langsames Lauflicht
Hohe Frequenz → schnelles „Flackern“

Varianten und Erweiterungen

  • Begrenzte Anzahl LEDs
    Rückführung eines späteren Ausgangs (z. B. Q6: Reset) kürzeres Lauflicht mit weniger LEDs
  • Knight-Rider-Effekt
    Richtungsumkehr am Ende durch zusätzliche Logik oder zweiten CD4017
  • Breiter Lichtbalken
    Mehrere benachbarte LEDs gleichzeitig aktivieren (z. B. über Dioden)

Praxis-Tipps

  • Jede LED benötigt einen eigenen Vorwiderstand: niemals mehrere LEDs direkt parallel an einen Ausgang anschließen.
  • Der CD4017 kann nur begrenzten Strom liefern: für hellere LEDs oder LED-Streifen sind Transistoren als Treiber notwendig.
  • Ein Entkopplungskondensator (100 nF) nahe am IC verbessert die Betriebssicherheit.

Projekt: Dezimalzähler mit 7-Segment-Anzeige

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Ein Dezimalzähler zählt eingehende Impulse und stellt das Ergebnis sichtbar als Ziffer von 0 bis 9 dar. Damit wird die Funktion digitaler Schaltungen unmittelbar sichtbar.

Funktionsprinzip

Der CD4026 kombiniert einen Dekadenzähler mit einem integrierten 7-Segment-Decoder. Mit jedem Taktimpuls wird die angezeigte Ziffer um eins erhöht. Nach der 9 springt der Zähler wieder auf 0 zurück.

Benötigte Bauteile

  • CD4026: Dekadenzähler mit integriertem Decoder
  • 7-Segment-Anzeige: gemeinsame Kathode
  • 7 × Vorwiderstand (typisch 220–470 Ω)
  • Taktquelle: NE555 oder Taster (mit Entprellung)

Schaltungsaufbau

  1. Der Takt (NE555 oder Taster) wird auf den Clock-Eingang geführt.
  2. Die Segmentausgänge (a–g) des CD4026 werden jeweils über einen Vorwiderstand mit der 7-Segment-Anzeige verbunden.
  3. Die gemeinsame Kathode der Anzeige wird auf GND gelegt.
  4. Der Reset-Eingang ermöglicht das Zurücksetzen auf 0.

Mehrstellige Zähler

Der CD4026 besitzt einen Carry-Out-Ausgang (Pin 5), der beim Übergang von 9 auf 0 einen Impuls erzeugt. Dieser wird auf den Clock-Eingang des nächsten CD4026 geführt.

Auf diese Weise lassen sich mehrere Zähler hintereinanderschalten:

  • 2 ICs → Zähler von 00 bis 99
  • 3 ICs → Zähler von 000 bis 999
  • n ICs → beliebig große Dezimalzahlen

Praxis-Tipps

  • Der CD4026 ist für Anzeigen mit gemeinsamer Kathode ausgelegt – falsche Anzeige-Typen funktionieren nicht korrekt.
  • Jeder Segmentausgang benötigt einen eigenen Vorwiderstand.
  • Ein Entkopplungskondensator (100 nF) direkt am IC verbessert die Stabilität.
  • Für manuelles Zählen sollte der Taster unbedingt entprellt werden, da sonst mehrere Zählimpulse entstehen.

Projekt: Zufallszahlengenerator

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Reine digitale Schaltungen arbeiten deterministisch und erzeugen daher keine echten Zufallszahlen. Für viele Anwendungen genügt jedoch ein Pseudo-Zufallsgenerator, der durch schnelles Zählen und einen unvorhersehbaren Stopp scheinbar zufällige Werte liefert.

Einfacher „Zufall“ mit Zähler (Würfel)

  1. Ein NE555 erzeugt ein schnelles Taktsignal (z. B. ≈ 1 kHz).
  2. Ein CD4026 zählt die Impulse und steuert eine 7-Segment-Anzeige.
  3. Der Reset wird so beschaltet, dass nur die Werte 1 bis 6 durchlaufen werden.
  4. Ein Taster unterbricht den Takt – der aktuelle Wert bleibt stehen.

Der „Zufall“ entsteht durch den unvorhersagbaren Zeitpunkt des Tastendrucks.

Pseudo-Zufallszahlen mit LFSR

Ein linear rückgekoppeltes Schieberegister (LFSR) erzeugt reproduzierbare, aber statistisch gut verteilte Bitfolgen. Mehrere D-Flip-Flops werden hintereinandergeschaltet, wobei ausgewählte Ausgänge über XOR-Gatter auf den Eingang zurückgeführt werden.

\[ D_\text{neu} = Q_n \oplus Q_m \]

Bei geeigneter Wahl der Rückkopplung entsteht eine maximale Sequenzlänge:

\[ L = 2^n - 1 \]

Ein 8-stufiges LFSR liefert somit 255 verschiedene Zustände, bevor sich die Folge wiederholt.

Echter Zufall (physikalische Quellen)

Für echte Zufallszahlen wird eine physikalische Rauschquelle benötigt, z. B.:

  • Schrotrauschen einer Z-Diode in Sperrrichtung
  • Rauschen eines Transistors (Basis-Emitter-Strecke)
  • Thermisches Rauschen von Widerständen

Das analoge Rauschen wird verstärkt und mit einem Komparator in ein digitales Signal umgewandelt. Dieses kann anschließend direkt genutzt oder durch Flip-Flops synchronisiert werden.

Praxis-Tipps

  • Für einfache Anwendungen (z. B. Würfel) reicht der Zähler-Ansatz völlig aus.
  • LFSR eignen sich gut für Simulationen, Testmuster und digitale Systeme.
  • Echte Zufallsquellen benötigen analoge Schaltungen und sind deutlich aufwendiger.

Zusammenfassung

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Die Digitalelektronik basiert auf wenigen grundlegenden Konzepten, aus denen sich selbst komplexe Systeme systematisch aufbauen lassen:

Logikgatter: AND, OR, NOT, XOR — elementare Verknüpfungen für jede Schaltung
Schaltalgebra: Werkzeuge zur Analyse und Vereinfachung logischer Ausdrücke
De-Morgan-Regeln: NAND und NOR sind universelle Gatter
KV-Diagramm: Grafische Minimierung — weniger Bauteile, geringere Verlustleistung
Flip-Flops: Speicherelemente als Grundlage von Registern, Zählern und Taktsystemen
ICs: Standardbausteine (74xx, 4000er) für schnelle und robuste Schaltungen
Oszillator + Zähler: NE555 und CD4017 als typische Basis für viele Praxisprojekte

Merksatz:
Mit Logikgattern, Flip-Flops und einigen Standard-ICs lassen sich nahezu alle grundlegenden digitalen Schaltungen realisieren — vom einfachen Lauflicht bis hin zu komplexeren Zustandsmaschinen.

Wer diese Grundlagen versteht, kann auch moderne digitale Systeme besser analysieren und entwerfen.

Formelzeichen & Symbole

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Symbol Bedeutung Operation / Bedeutung
\( A \cdot B \) UND-Verknüpfung 1, wenn beide Eingänge 1 sind
\( A + B \) ODER-Verknüpfung 1, wenn mindestens ein Eingang 1 ist
\( \bar{A} \) Negation (NOT) invertiert den Wert (0 → 1, 1 → 0)
\( A \oplus B \) XOR (exklusives ODER) 1, wenn genau ein Eingang 1 ist
\( \overline{A \cdot B} \) NAND \( \bar{A} + \bar{B} \) (De-Morgan-Regel)
\( \overline{A + B} \) NOR \( \bar{A} \cdot \bar{B} \) (De-Morgan-Regel)
\( S, R \) Set, Reset (RS-Flip-Flop) setzen bzw. zurücksetzen des Zustands
\( D \) Dateneingang (D-Flip-Flop) Wert wird bei Taktflanke übernommen
\( J, K \) Steuereingänge (JK-Flip-Flop) Kombination aus Set, Reset und Toggle
\( Q, \bar{Q} \) Ausgang und invertierter Ausgang immer komplementär
\( CLK \) Taktsignal (Clock) steuert die zeitliche Signalübernahme
\( f \) Frequenz \( \dfrac{1{,}44}{(R_1 + 2 \cdot R_2) \cdot C} \) (NE555)
\( t_H, t_L \) High- und Low-Zeit Dauer der Signalpegel im astabilen Betrieb