Erster Workflow
Vom leeren Canvas zum laufenden Ablauf
Autor: Wolfgang Lessat
Originalquelle:
lessat.net
https://lessat.net/technik/ki-und-automation/setup/erste-schritte
Was wir bauen
Ein Workflow, der die aktuelle Außentemperatur für Hamburg abruft und meldet, ob es heute kälter als 10 °C ist.
Dieses Beispiel wurde bewusst einfach gewählt: Es braucht keinen API-Key, keine Registrierung und keine externen Accounts. Die Wetter-API von open-meteo.com ist kostenlos und ohne Key nutzbar. Trotzdem enthält der Workflow alle wichtigen Bausteine: Trigger, HTTP Request, IF-Verzweigung und Ausgabe.
Ablauf des fertigen Workflows:
[Manueller Trigger]
↓
[HTTP Request] → open-meteo.com API abfragen
↓
[IF Node] → Temperatur unter 10 °C?
↓ Ja ↓ Nein
[Set Node: Kalt] [Set Node: Mild]
Eine laufende n8n-Instanz –
Desktop-App oder Docker, beides funktioniert.
Die Oberfläche ist unter
http://localhost:5678 erreichbar.
Canvas öffnen und ersten Node setzen
Jeder Workflow beginnt mit einem leeren Canvas und dem ersten Node.
1. In der linken Seitenleiste auf Workflows klicken.
2. Oben rechts „+ New Workflow" wählen.
3. Das leere Canvas erscheint – eine karierte Fläche
mit einem „+"-Symbol in der Mitte.
4. Oben links den Workflow umbenennen:
Klick auf „My workflow" →
Namen eingeben, z.B. „Wetter Hamburg".
5. Mit Strg+S (Windows) oder Cmd+S (Mac) speichern.
Schritt 1: Trigger konfigurieren
Der Trigger ist der Startknopf des Workflows. Für den ersten Test nehmen wir den manuellen Trigger – er startet auf Knopfdruck.
1. Auf das „+"-Symbol im Canvas klicken.
2. Im Suchfeld „Manual" eingeben.
3. „Manual Trigger" auswählen und klicken.
4. Der Node erscheint auf dem Canvas –
ein graues Rechteck mit dem Label „When clicking 'Test workflow'".
5. Nichts weiter konfigurieren – der manuelle Trigger
hat keine Einstellungen.
Node umbenennen – gute Gewohnheit von Anfang an:
Doppelklick auf den Node → oben im Panel
den Namen ändern, z.B. „Start".
Bei einem Node kaum nötig, bei zehn unverzichtbar.
Schritt 2: HTTP Request Node – Daten holen
Der HTTP Request Node fragt die Wetter-API ab und gibt die aktuelle Temperatur zurück.
1. Auf das „+" rechts am Trigger-Node klicken –
so wird der neue Node direkt verbunden.
2. Im Suchfeld „HTTP" eingeben.
3. „HTTP Request" auswählen.
4. Den Node umbenennen: „Wetter abfragen".
Im Node-Panel auf der rechten Seite:
Method: GET
URL:
https://api.open-meteo.com/v1/forecast
Query Parameters – auf „Add Parameter" klicken
und folgende Paare eintragen:
latitude → 53.55
longitude → 10.00
current → temperature_2m
timezone → Europe/Berlin
Keine Authentifizierung nötig – das Feld leer lassen.
Zwischentest:
Oben rechts auf „Test step" klicken.
Rechts erscheint die Antwort der API als JSON –
darin unter current → temperature_2m
die aktuelle Temperatur in Hamburg.
Wenn das klappt, ist die Verbindung zur API erfolgreich.
Schritt 3: IF Node – Daten filtern
Der IF Node prüft eine Bedingung und verzweigt den Workflow in zwei Richtungen.
1. Auf das „+" rechts am HTTP-Node klicken.
2. Im Suchfeld „IF" eingeben und auswählen.
3. Node umbenennen: „Temperatur prüfen".
Im Node-Panel:
Value 1 – auf das Feld klicken,
dann das Zahnrad-Symbol → „Expression" wählen.
Im Ausdrucks-Editor eingeben:
{{ $json.current.temperature_2m }}
Operation: „Smaller than" (kleiner als)
Value 2: 10
Der Node hat jetzt zwei Ausgänge:
„true" (Temperatur unter 10 °C)
und „false" (10 °C oder wärmer).
Schritt 4: Ausgabe – Ergebnis sichtbar machen
Zwei Set-Nodes – einer pro Pfad – speichern eine lesbare Meldung als Ausgabe.
1. Auf das „+" am true-Ausgang des IF Nodes klicken.
2. „Set" suchen und auswählen.
3. Node umbenennen: „Meldung: Kalt".
4. Im Panel auf „Add Value" → „String":
Name: meldung
Value:
Es ist kalt in Hamburg – unter 10 °C.
1. Auf das „+" am false-Ausgang des IF Nodes klicken.
2. Wieder „Set" auswählen.
3. Node umbenennen: „Meldung: Mild".
4. Gleiche Konfiguration, anderer Text:
Name: meldung
Value:
Mild heute in Hamburg – 10 °C oder wärmer.
Dynamische Ausgabe mit der aktuellen Temperatur:
Im Value-Feld lässt sich die echte Temperatur einbauen.
„Expression" aktivieren und eingeben:
Es ist kalt – nur {{ $('Wetter abfragen').item.json.current.temperature_2m }} °C in Hamburg.
Der Ausdruck {{ … }} greift auf die Ausgabe
des HTTP-Nodes zurück und fügt den Wert dynamisch ein.
Workflow testen und Fehler lesen
Ein Klick genügt, um den gesamten Workflow einmal durchlaufen zu lassen.
Oben rechts auf „Test workflow" klicken. n8n führt alle Nodes der Reihe nach aus. An jeder Verbindungslinie erscheint eine grüne Zahl – sie zeigt, wie viele Datensätze (Items) weitergegeben wurden. Grün bedeutet: alles hat funktioniert.
Auf den letzten Set-Node klicken, der ausgeführt wurde.
Im rechten Panel unter „Output" erscheint
das Feld meldung mit dem fertigen Text –
z.B. „Mild heute in Hamburg – 14 °C."
Ein roter Node bedeutet: Dieser Schritt ist fehlgeschlagen.
Klick auf den Node zeigt die Fehlermeldung.
Die häufigsten Ursachen beim ersten Workflow:
URL falsch: Tippfehler im Endpunkt –
genau prüfen, kein Leerzeichen am Ende.
Expression falsch:
$json.current.temperature_2m –
der Pfad muss exakt mit der API-Antwort übereinstimmen.
Zur Kontrolle die Ausgabe des HTTP-Nodes aufklappen
und den genauen Schlüsselnamen ablesen.
Kein Internet: Die Desktop-App
kann keine externen APIs erreichen,
wenn keine Internetverbindung besteht.
Workflow aktivieren
Ein Workflow im Testmodus läuft nur auf Knopfdruck. Um ihn automatisch – z.B. täglich – laufen zu lassen, muss er aktiviert werden.
Für einen automatischen Zeitplan den manuellen Trigger
durch einen Schedule Trigger ersetzen:
1. Manuellen Trigger löschen (Klick → Entf-Taste).
2. Neuen Node hinzufügen: „Schedule Trigger".
3. Im Panel „Trigger interval" auf „Days"
stellen, Zeit auf 07:30.
4. Mit dem HTTP-Node verbinden.
Oben rechts den Toggle-Schalter von „Inactive" auf „Active" stellen. Der Workflow läuft ab sofort automatisch – bei der Desktop-App solange die App geöffnet ist, bei Docker dauerhaft im Hintergrund.
Workflow als JSON exportieren:
Drei-Punkte-Menü oben rechts →
„Download". Die JSON-Datei enthält
den vollständigen Workflow und kann auf jeder
anderen n8n-Instanz wieder importiert werden.
Sinnvoll als Backup und für den späteren
Umstieg von Desktop auf Docker.
Nächste Schritte
Der erste Workflow läuft. Jetzt kommen die eigentlichen Projekte.
Die nächsten Projekte benötigen echte API-Keys – für OpenAI, Claude, Telegram oder Ladestations-Dienste. Bevor die ersten Keys angelegt werden: fünf Minuten für die sichere Verwaltung investieren.
Das erste richtige Projekt baut direkt auf diesem Workflow auf: API abfragen, filtern, benachrichtigen – jetzt mit echten Ladestations-Daten aus Hamburg.
Weiter: API-Keys verwalten
API-Keys verwalten
Titel: Erster Workflow
Druckdatum: 15.08.2026
Domain: www.lessat.net